Artikel-Schlagworte: „Schorndorf“

Holunderduft in der Höllgasse bei RemsTotal

geburtshaus-klein


Schauspiel-Führungen im Daimler-Geburtshaus in Schorndorf

Im Rahmen der Großveranstaltung RemsTotal lädt Familie Daimler am kommenden Wochenende, 15. und 16. Mai in der Zeit von 10 bis 18 Uhr zu Hausführungen mit Schauspielern im Kostüm ein. Wenn die Gäste ganz genau lauschen kann man noch das dumpfe Klackern von Pferdehufen auf Kopfsteinpflaster hören und entlang der Rems das Schnaufen einer Dampflok. Kultissima verführt ins frühe 19. Jahrhundert: Gottlieb Daimler wohnt gemeinsam mit seiner Frau Emma Pauline und den fünf Kindern in einem kleinen Fachwerkhaus in der Höllgasse 7, in dem er als Sohn eines Bäckermeisters 1834 das Licht der Welt erblickte. Emma Pauline, die gastfreundliche Hausherrin lädt am Wochenende ein zur stündlichen Hausbesichtigung mit Schauspiel-Szenen aus dem Leben ihres Mannes und muss sich der neugierigen Nachbarin Marie erwehren, die als Waschweib in Schorndorf überall „das Gras wachsen hört“! Emma kredenzt Erfrischendes und Selbstgebackenes rund um den Holunder, dessen herrlicher Duft zum Verweilen einlädt. Ganz nebenbei gibt es viel zu sehen in diesem Haus, das heute eine eindrucksvolle Sammlung von Exponaten, Modellen und Dokumenten aus der Schaffenszeit des Visionärs und Autopioniers beherbergt.

Der Eintritt ist kostenlos.

Mehr Infos >>

Weihnachten mit Kultissima

laternenWie wäre es mit einer besonderen Idee: Ein abendlicher Glühwein-Empfang an einem besonderen Ort oder eine stilvolle Untermalung Ihres Weihnachtsessens mit Schauspielern im Kostüm? Genießen Sie eine weihnachtliche StadtVerFührung oder lassen sich ganz einfach von unseren Ideen überraschen!
Es ist eine schöne Tradition in Deutschland, das Jahr in der Weihnachtszeit mit einer gemeinsamen Feier zu beenden. Freunde, Vereinsmitglieder, Arbeitskollegen und Familien finden sich im Dezember zusammen, um im festlichen Rahmen auf das Jahr zurückzublicken. Zur Weihnachtsfeier gehören auch kleine Rituale wie Wichtelgeschenke, vielleicht ein selbst verfasstes Gedicht oder eine launige Ansprache. Vielleicht soll auch der Nikolaus vorbeischauen? Vor allem aber gehört zur Weihnachtsfeier die rechtzeitige Planung - auch die des Rahmenprogramms. Wo und wie soll in diesem Jahr gefeiert werden?
Weitere Informationen erhalten Sie im Internet oder fordern Sie kostenlos unsere neue Broschüre an, die bereits die Termine für 2010 enthält.

Sprechen Sie uns an, damit Ihre Weihnachtsfeier genauso schön wird, wie Sie es sich vorgestellt haben!

Kultissima Kult-Tour im Herbst “Anno dazumal”

Apfelbaum im RemstalApfel-Erlebnistour mit Kutsche, Schauspiel und Großmutter´s Rezepten

“Der Natur auf der Spur!” Unter diesem Motto begeben wir uns auf Spurensuche, lassen in alten Kochbüchern und Erzählungen aus der Kindheit alte Bräuche wieder auferstehen. Gerade im Herbst lässt die Natur ihren Reichtum spürbar werden und wir schaffen eine Verbindung zwischen der Ursprünglichkeit des ländlichen Lebens und einer süßen Frucht, die bereits in der Bibel eine süße Verführung darstellte - dem Apfel.

Termin: Freitag, 30. Oktober 2009
Uhrzeit: 14.00 – 17.30 Uhr
Treffpunkt: Kunst-Mühle Schornbach, Friedrich-Glück-Str. 20, 73614 Schorndorf

Beschreibung:
Nach der Begrüßung bei einem Glas Apfelsaft an der Schornbacher Mühle geht’s mit der Pferdekutsche von Thomas Spengler durch die Streuobstwiesen hinauf nach Berglen-Birkenweißbuch. Unterwegs treffen wir den geschwätzigen Obstbauer Eugen mit seiner Frau Christel auf ihrem Stückle bei der Apfelernte. Im alten Bauernhaus von Familie Häußer werden wir anschließend stilecht in historischer Kleidung empfangen wie zu Großmutter´s Zeiten. Der Duft frischgebackenen Apfelkuchens zieht durchs Haus und wir erfahren alles Wissenswerte über das Haltbarmachen der süßen Frucht: Vom Einkochen und Trocken der Apfelschnitze über die Kellerlagerung bis zu alten Marmelade-Rezepten. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!

Kosten:
29,00 Euro Erwachsene, 25,00 Euro Kinder bis 12 J., inkl. Kuchen, Kaffee und Getränke (Mindestteilnehmerzahl 15 Personen). Teilnahme nur mit Voranmeldung. Für Gruppen jederzeit buchbar.

Hinweis: Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt.

Hier geht´s zur Buchung >>

Dackel Hanno und der Fußball

Hier eine sehr hübsche Kindheits- und Jugenderinnerung des Autors Robert Kiesser in Schorndorf aus der wilhelminischen Zeit. Kiesser verbrachte diese Zeit in dem Schloss, das zur damaligen Zeit das Forstamt beherbergte und heute zum Finanzamt gehört. Er erinnert sich an ein Fußballspiel in Schorndorf gegen Gmünd, in dessen Verlauf auch ein Dackel ins Spielgeschehen eingriff:

“Wenn wir Buben auf dem breiten Bürgersteig vor dem Jagdschloss mit einem kleinen Ball kickten, suchten uns einige Reaktionäre unter den Erwachsenen das aus England importierte Handwerk zu legen. Sie lieferten auch keinen deutlichen Beweis von Humor, wenn der Gummiball sie ins Gesicht traf. Im Gegenteil: Sie drohten mit der Polizei oder mit dem Herrn Dekan oder mit dem Herrn Stadtschultheiss, dessen strengem Blick wir nach Möglichkeit auswichen.
Doch so rückständig war nur eine kleine Minderzahl. Im ganzen taten die paar tausend Schorndorfer sehr viel für die körperliche Ertüchtigung der Jugend, wenn auch vorwiegend der männlichen Jugend - schon durch den Bau einer für die damalige Zeit geradezu pompösen Turnhalle, die sich im Bedarfsfall sogar als Festhalle eignete. Und die Jugend nütze die ihr gebotene Chance. Bei dem großen Deutschen Turnfest in Leipzig im Jahr 1913 schnitt die Schorndorfer Riege hervorragend ab.
Hinzu kam, dass jenseits des Remswehrs ein topfebener Fußballplatz mit fast normalen Ausmaßen angelegt wurde. Die Fachausdrücke dieses großartigen Spiels waren noch englisch. Das Tor hieß Goal, der Mittelstürmer war der Center, der Verteidiger der Back, der Torwart der Keeper und statt “Aus” sagte man “Out”.
Die Stadt hatte vor dem ersten Weltkrieg eine rasche und technisch versierte Fußballmannschaft, die sich auch mit Stuttgarter  Rasenspielern messen konnte. Besonders gut erinnere ich mich noch an den wuchtigen Stürmer Burkartsmeier, an den gewandten Fritz Gamer, der die Bälle so schön verteilte, und an den vortrefflichen Torwart Kieß, den später eine englische Mannschaft nach London holte. Der Krieg lichtete die Reihen der Fußballer erbarmungslos, und erst den Brüdern Sommer gelang es später, gleichwertig and die Vorkriegstradition anzuknüpfen.
Natürlich standen wir Buben oft am Rande des Fußballfeldes, und unser Vater, der von Turnen und Sport sehr viel hielt, war meistens dabei.
Auch der Metzger Lauppe mit seinem Dackel Hanno. (…). Manchmal lief Herr Lauppe neben dem Spielfeld auf und ab, um dem Brennpunkt des Geschehens möglichst nahe zu bleiben; und Hanno rannte mit. (…).
Genauso wie die Schorndorfer Spieler erwartete er, dass man anständig spielte. Absolute Fairness war nur dann schwierig, wenn die Gmünder Fußballer kamen.
Das hatte seinen geschichtlichen Grund. Gmünd war erst hundert Jahre zuvor württembergisch geworden und pflegte mit Recht seinen Stolz auf den ehemaligen Status einer Freien Reichsstadt. Schorndorf, wenn auch nur halb so groß wie die Nachbarstadt, lebte in dem Bewußtsein, das östliche Remstalbollwerk des ehemaligen Herzogtums gewesen zu sein. Leider spielte damals auch noch der konfessionelle Gegensatz eine Rolle. Denn das Herzogtum Württemberg hatte sich einst der Reformation angeschlossen, während die Freie Reichsstadt Gmünd katholisch geblieben war.
So gings denn auch bei den Wettspielen zwischen der Gmünder und der Schorndorfer Fußballmannschaft härter zu als sonst. Und da versuchte auch einmal der brave Metzger Lauppe, das Schicksal zu korrigieren.
Er stand gerade neben dem Schorndorfer Tor, als der Gmünder Mittelstürmer gewandt zwischen den Schorndorfer Verteidigern durchbrach und dem Schorndorfer  Tor zustrebte. Das war zuviel. Das durfte nicht sein! Herr Lauppe deutete auf den heranbrausenden Gmünder und machte: “Hanno, ksch, ksch!” Da aber die Hunde (nur die Hunde?) die Fähigkeit haben, auf Befehl urplötzlich in Wut zu geraten, preschte der Hanno mit fliegenden Ohrwascheln los und fuhr dem bösen Feind mit lautem Gebell zwischen die Beine. Das gab viel Aufregung hin und her, bis der anfangs ratlose Schiedsrichter schließlich den Gmündern einen Freistoß zubilligte, den Torward Kieß mit gewandtem Hechtsprung meisterte.”

Quelle:  “Im Jagdschloss an der Rems” von Robert Kiesser
(Eugen Salzer Verlag, Heilbronn 1973)

Christian Rapp - Erfolgreicher Rückkehrer von den Tabakfeldern Kanadas

Christian Rapp

Christian Rapp

Unterdrückung, Hunger und die aufkeimende Revolution hatte Christian Rapp hinter sich gelassen, als er 1790 nach Kanada auswanderte. Es gab genug Land, und frei war der Mensch dort sowieso. Er war 19 Jahre alt, hatte in Stuttgart das Handlungswesen gelernt und machte sich nun in dem Geschäft selbstständig, das schon sein Vater in Cannstatt betrieben hatte: Tabak. Von Columbus einst nach Europa mitgebracht, wuchs er zunächst in den Ziergärten der europäischen Höfe, wurde dann als Medizin verordnet (z.B. bei weiblicher Unfruchtbarkeit) und landete schließlich in den Tabakpfeifen. Tabak war ein teures Gut und wurde nur von den wohlhabenden Schichten in größeren Mengen konsumiert.
Als Christian Rapp 1790 im Hafen von Quebec am Sankt-Lorenz-Strom das Schiff verließ, betrat er einen Ort mit engen Gassen und kleinen Häusern, der schon über 160.000 Einwohner hatte. Es war kein Zufall, daß Christian Rapp nach Quebec ging. Dort entstand eine der „principal tobacco-producing regions in Canada“. (1) Sieben Jahre soll er dort eine Tabakfabrik geleitet oder besessen haben. Dann kehrte er 1797 zurück in seine alte Heimat. Dabei gehörte er keineswegs zu den erfolglosen Rückkehrern, die nun auch noch dem Hohn und Spott in der alten Heimat ausgesetzt waren. Nein, er hatte in Kanada viel gelernt und nun große Pläne. Und da kam ihm die gute Partie einer nicht unvermögenden Schorndorferin gerade recht. Sie entstammte der Wirtsdynastie Heß, die ihre „Löwen“, „Hirsche“ und „Ochsen“ in Fellbach, Schorndorf, Obertürkheim und Waiblingen betrieben. Johannes Heß, der Vater von Christiane war der Ochsenwirt in Schorndorf.
Und nun stand also der Schwiegersohn vor der Tür. Der aber kam eigentlich aus Cannstatt, war dann ausgewandert und nun ohne Bürgerrecht im Herzogtum Württemberg. Was für andere unerschwinglich und ein Grund zum Auswandern darstellte, machte Christian Rapp keine Probleme. Er bezahlte die erforderliche Summe und erhielt im November 1797 das Bürgerrecht in Schorndorf. Zu Beginn des folgenden Jahres ging an Herzog Friedrich II. die Bitte um Gewährung einer Konzession zur Gründung einer Tabakfabrik (2), die man zu dieser Zeit als Tabakmühle bezeichnete. Im Gebäude der heutigen Johann-Philipp-Palmstraße 7 an der Ecke zur Konstanzerhofgasse begann nun die Verarbeitung amerikanischer und pfälzischer Tabake, die er unter den Namen „Schwarzer Reiter“, „Kornähre“ und – als kleine Verbeugung vor dem Haus Württemberg – „Herzog Ulrich“ zum Rauchen und Schnupfen in den Handel kamen. Rapp konnte einen soliden Absatz verzeichnen. Zeitweise beschäftigte er fast zwanzig Personen, und seiner Fabrik wurde von offizieller Seite bestätigt, „bei stets aufgeräumten Vorräten den besten Fortgang“ (3) zu haben.
Die gesellschaftliche Anerkennung folgte seinen geschäftlichen Erfolgen. Er verkehrte in den Schorndorfer Honoratiorenkreisen, gehörte zu den ausschlaggebenden Männern der örtlichen Politik und war von 1819 bis 1821 Schorndorfer Stadtschultheiß. Über das Ehe- und Familienleben der Rapps aber legten sich immer wieder dunkle Schatten. Von den dreizehn Kindern der Rapps überlebten nur drei. Tochter Amalie heiratete Adolf Burk, der später als Inhaber der Tabakfabrik Rapp genannt wird. Ein Nachkomme erzählt, wie es damals dort zuging: „Im Erdgeschoß befindet sich ein Laden, über dessen Türbogen eine Tafel in Goldschrift zu wissen gibt, daß hier die Tabakfabrik ist und in dessen Innerem der Kommis [Handlungsgehilfe] … und das alte Ameile aus großen Steingutgefäßen Schnupftabak auswiegen. … Hinter dem Laden kommt eine geräumige Packstube, in welcher das Faktotum …Schnupf- und Rauchtabak sorglich in Fässer und Kisten verstaut, und dann gelangt man durch eine Glastüre zu dem Prokuristen … Das Büro des Chefs schließt sich an. Von dort betritt man einen hohen, weiten Raum, in dem etwa zwanzig Mädchen geräuschvoll mit Holzschlegeln Tabak in Tüten stampfen.“ (4)
Ein halbes Jahrhundert war vergangen, seit Rapp das Schorndorfer Bürgerrecht erhalten hatte. Am Vormittag des 17. Dezember 1853 ist er „nach nur dreitägigem Krankenlager im 83. Lebensjahr sanft verschieden.“ (5) Das Leben hatte es gut mit ihm gemeint. Rapp lebte „bis ins hohe Alter im Besitz voller Geisteskräfte“ und konnte seinen Nachkommen die Früchte seiner Auswandererjahre in Kanada hinterlassen.

1    Encyclopedia Canadian, 1973, S. 87
2    HSTAS: A 202, Bü 2448; A 213, Bü 3511
3    Oberamtsbericht Schorndorf, zit. nach: Typisch im Rems-Murr-Kreis, hg. von Walter Wannenwetsch, Heft 17, o.J. o. O., S. 54
4    Burk, Walter: Der Gfrörnig. Die Geschichte einer Kindheit, 1949, zit. nach Fischer, Erhard: Schorndorfer Köpfe. Auswärts geborene Persönlichkeiten in ihrer Beziehung zu der Stadt, Schorndorf 1999, S. 154
5    SchwChr, 21.12.1854

Geschichte der Stadt Schorndorf, hg. von der Stadt Schorndorf, Stuttgart 2002
Wandel, Uwe Jens: Schorndorfer Projekte III.Die Manufaktur im Schloß 1766-1769, In: Heimatblätter 9/1992. S. 34

LKA Württemberg

Quelle: Karin de la Roi-Frey
Von der Rems zum Golden Gate. Auswanderer aus dem Rems-Murr-Kreis.
Remshalden 2008
Verlag Bernhard Albert Greiner, ISBN 978-3-86705-029-6, 14,80 Euro

(Bildnachweis: Geschichte der Stadt Schorndorf, hg. von der Stadt Schorndorf, Stuttgart 2002, S. 321.)