Theaterszenen aus 60 Jahre Jugendhilfe in Ruppertshofen bot das Ensemble „Kultissima“.
Diana Juhl.
Die Jugendhilfe feierte ihren 60. Geburtstag mit einem Festabend am Freitag. Es gab Rückblicke, Ausblicke und Dankesworte.
Zahlreiche Gratulanten und Gäste waren erschienen und erfuhren: Kompetente Starthilfe für junge Leute ist vielfältig, wandelbar und heute so wichtig wie vor 60 Jahren.
Ruppertshofen. Klaus Paschke, Vorsitzender des Vereins Jugendhilfe Land Ruppertshofen, erinnerte an die Anfänge im Oktober 1950, als Bürgermeister Hermann Metz zusammen mit 31 lokalen Handwerkern und Bauern den Verein gründete und – wie er sagte – „Sorgenkinder“ nach Rupperthofen holte. Paschke
zählte auf, mit welchen Maßnahmen an gleicher Stelle heute junge benachteiligte Menschen für das Berufsleben fit gemacht werden. Mit den Worten: „Herzlichen Dank für das Geschenk“ bedankte er sich gleich mehrfach bei der Agentur für Arbeit, die bestehende Maßnahmen verlängert und weitere
Maßnahmen für arbeitslose Jugendliche bereits genehmigt hat.
Eine Art Familienersatz
Karin Keppel, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Ostwürttemberg, zeichnete ebenfalls den Weg der Arbeitsagentur – seinerzeit noch Arbeitsamt,
das erstmals 1975 Förderlehrgänge in Rupperthofen installierte. Keppel betonte, dass „Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen“ in Ruppertshofen
auch ein gewisser Familienersatz geboten werde und lobte, wie „kreativ“ die Mitarbeiter vor Ort mit der Mutterschaft Auszubildender umgegangen seien.
Gemeint war die Kindertagesstätte „Zwergenland“, in der zehn Kleinkinder betreut werden.
Ruppertshofens Bürgermeister Peter Kühnl ermutigte den Verein, sich künftig noch stärker an Ausschreibungen, die über die Agentur für Arbeit laufen, zu
beteiligen. Schließlich sehe er den Verein auch in der Funktion eines Arbeitgebers vor Ort, und auch da gelte, „jeder Arbeitsplatz zählt“.
Lebensnah berichtete Hans Kolb von den Anfängen, davon wie die Ruppertshofener Bauholz aus dem Gemeindewald geholt, Baugruben ausgehoben und weitere
Eigenleistungen eingebracht haben. Die modernen Einrichtungen des Hauses kamen auch der Bevölkerung zugute. Samstags, daran erinnerten sich noch viele,
waren Bad und Dusche für die Dorfbewohner reserviert.
Anerkennung und Respekt auch aus dem Mund von Landrat Klaus Pavel: Er machte deutlich, dass die Einrichtung in den nächsten 15 bis 20 Jahren noch
dringender gebraucht werde als bisher, denn „es werden vermehrt Fachkräfte benötigt. Wir brauchen jede Einzelne und jeden Einzelnen“, schloss er seine Rede.
Am Ende der dreistündigen Veranstaltung, die mit Musik- und Theaterkunst bereichert wurde, ergriff auch Bundestagsabgeordneter Norbert Barthle das Wort.
Auf Bitten des Veranstalters berichtete er über seine Arbeit in Berlin, erinnerte daran, wie die Regierung in der Krise Sicherungsschirme für Banken,
Unternehmen und für die Bürger errichtet hat. Er betonte, dass Bildung eine Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft sei und versprach: „Wenn es
irgendwo klemmt, ich helfe ihnen.“ Theaterszenen aus 60 Jahre Jugendhilfe unter dem Motto „Schreiner Erich und Erzieherin Janina“ bot im Anschluss das
Ensemble „Kultissima“ aus Weinstadt-Großheppach.
Am Donnerstag, 28. Oktober um 20.00 Uhr steht die nächste Veranstaltung aus der Reihe „Immer wieder donnerstags…“ im Küchenhaus Negele in Hertmannsweiler an: Kai Schärtel, Gründer der Schorndorfer Genussmanufaktur persönlich führt durch einen Abend, der unter dem Titel „Alles Senf oder was…“ erstaunliche Geschmackseindrücke auf Zunge und Gaumen zaubern wird.